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Adolf Miller

Auswanderungsantrag : Des 28 Nr 1, Stadtarchiv Diepholz

CHRISTIAN FRIEDRICH MÜLLER*
in Diepholz, angeblich 19 1/4 Jahre
alt, hat mit Zustimmung seiner
Mutter Wittwe Margarethe
Elsiabeth Müller geb. Klatte
und seines Vormundes des
Bürgers Johann Heinrich
Ocker in Diepholz um Er-
wirkung eines Auswander-
ungsscheines nach America
nachgesucht. Ich wünsche
daher zu erfahren, wie
viele Geschwister derselbe
hat und in welchem Alter sich diese
befinden, wie seine Vermögensver
hältnisse sind und ob auch
ein begründeter Verdacht der
Umgehung der Militärpflicht bei
bei diesem Gesuche vorhanden ist.
Der Magistrat wolle mir baldmöglichst
Auskunft darüber ertheilen, auch
darüber, ob es gegründet, dass
schon ein Vetter von ihm
Namens Brüggemann** in
Nordamerica ist
Ddiepholz, den 14 Januar 1854
königlich hannoversches Amt

[Stadtarchiv Diepholz Des 28 Nr.1]

* Richtiger Name : Adolph Friedrich Müller

** Johann Dietrich Brüggemann, Färbergeselle
geb. 31.08.1787 in Diepholz
verheiratet mit Margret Friederike Klatte
geb. : 01.05.1796 in Diepholz
geheiratet am 18.03.1814 in Diepholz

ausgewandert nach Watertown/Wisconsin

Nachruf

Scan aus dem Diepholzer Kreisblatt von 1901 zum Nachruf von Adolf Miller (Müller)
gestorben in Watertown Wisconsin. Siehe auch : Adolph, Charles and Bertha Miller

Adolf Miller

Nachruf Adolf Müller 1901

DiepholzerKreisblatt 1901 zum tod eines Diepholzer in den USA (Teil 1)

Adolf Miller

Nachruf Adolf Müller 1901

DiepholzerKreisblatt 1901 zum tod eines Diepholzer in den USA (Teil 2)

Adolf F Miller


Adolf Friedrich Müller war zunächst von Diepholz nach Amsterdam in eine kaufmännische Lehre gegangen, wie es heißt, bei einem Onkel. Wir wissen nicht wer dieser Onkel gewesen ist. Adolf Friedrich Müller hat es in Amerika zu Ansehen und Wohlstand gebracht. Seine Auswanderung nach Amerika von Amsterdam aus erfolgte im Jahr 1854 nach Beendigung der kaufmännischen Lehre. 1854 war das "Hauptauswandererjahr" im 19. Jahrhundert. In diesem Jahr wanderten aus den deutschen Staaten ca. 230.000 Menschen nach Amerika aus. Eines der Haupteinwanderungsziele für Deutsche war zu der Zeit der Bundesstaat Wisconsin. Insofern ist es nicht verwunderlich, daß auch Adolf Friedrich Müller in dieser Zeit ausgewandert ist und in Watertown, Jefferson County in Wisconsin eine neue Heimat gefunden hat. Er ging damit 5 Jahre vor seinem Bruder, der im Jahr 1859 auswanderte. Er war in Amerika verheiratet und ist ein richtiger Amerikaner geworden. Drüben führte er den Namen "Miller". Seine Frau überlebte ihn, von ihr wissen wir nichts näheres. Er hinterließ einen Sohn namens Charles, vielleicht so benannt nach dem gefallenen Bruder Carl, und eine Tochter namens Bertha, die sehr musikalisch gewesen sein soll. Diese Tochter sandte nach dem Tod des Vaters am 30.10.1901 einen Ausschnitt aus einer damals in Watertown im Staate Wisconsin erschienenen Deutschen Zeitung, der ein Bild des Vaters mit folgendem Nekrolog enthielt:

Adolf F. Miller,
[Nachruf von 1901 DH-Kreisblatt]

wurde im September 1834 in der Stadt Diepholz in Hannover geboren, erlangte eine gute Schulbildung in seinem Geburtsorte, erlernte das Cigarrengeschäft und erwarb sich auch kaufmännische Kentnisse, war nach Absolvirung seiner Lehrjahre in dem Tabakgeschäft seines Onkels in Amsterdam beschäftigt, wanderte 1854 nach Amerika, lebte zwei Jahre in Cincinnati zur Zeit als die Turner von dort zur Gründung der Colonie New Ulm in Minnesota auszogen, an der er nahe daran war, sich zu betheiligen, entschloß sich aber statt dessen vorerst nach Wisconsin zu gehen und kam 1856 nach Watertown, ein blühender Jüngling, von geschmeidigem Körperbau, der richtige Turner wie er im Buche steht. Wir erinnern uns seines damaligen Aussehens noch ganz genau, kein Vergleich zu seiner in späteren Jahren erworbenen Corpulenz, die ihm auch in der Bewegungsfreiheit hinderlich wurde und jedenfalls nicht wenig zur Verkürzung seines Lebens beitrug.

Hier wurde er zuerst Clerk im Store des vor wenigen Jahren gestorbenen P.V. Brown, dann war er Clerk in dem Postoffice unter dem Postmeister M.B. Williams, darauf Clerk im "Deutschen Store" bei Volckman und Wollering. (Aus einer Vollmacht aus dem Jahr 1857, die im Original im Stadtarchiv Diepholz erhalten ist, ist ersichtlich, daß es sich um Henry Wollering handelt, also Heinrich Wollering, der vermutlich aus St. Hülfe stammt. Nach der Familie Wollering ist dort heute (1996) eine Straße benannt. Vielleicht ist Adolf Miller von New Ulm nach Watertown gegangen, weil sich dort schon mehrere Diepholzer befanden; d. Verf.) 1861 aber, nachdem er sich schon verheirathet hatte, etablierte er sich in dem von ihm gründlich erlernten Cigarrengeschäfte, das er bis an sein Ende und seit einer Reihe von Jahren mit dem vollkommen in seine Fußstapfen tretenden Sohne Charles, umsichtig, solid und mit bedeutendem Erfolg betrieb. Er erfreute sich des wohlverdienten zutrauens seiner Mitbürger, wurde mehrmals zu Vertrauensämtern (im Stadt- und Countyrath) erwählt und hätte Ämter öfter bekommen können, wenn es nicht seiner Natur zuwider gewesen wäre, sich allzusehr in der Öffentlichkeit zu bewegen. Er wurde häuslich und zurückgezogen wie Wenige. Nur im Musikverein blieb er längere Jahre als aktiver Sänger ein eifriges Mitglied. Nun ist er uns entrissen. Aber in Freundschaft werden seiner Alle stets gedenken, die ihn ob seines ruhigen, freundlichen, einfachen, aller Ostentation abholden Wesens, seiner Solidität und strengen Rechtlichkeit zu schätzen wußten. Seiner schwer gebeugten Witwe, welche erst vor wenigen Tagen der hochbetagten Mutter die Augen schließen mußte, seinen beiden geachteten Kindern, dem Sohn Charles und der Tochter Fräulein Bertha Miller, wird das innigste Mitgefühl aller Bewohner entgegengebracht. Die Hinterbliebenen haben sich zu dem heute Nachmittag 2 Uhr stattfindenen Leichenbegängnisse, dem Wesen des Verblichenen entsprechend, alle Blumenspenden verbeten. Möge er in Frieden ruhen!