Diepholz 1725
Eine Diepholzer Bürgerrevolte aus dem Jahr 1725
In der Nacht vom 4 zum 5 Oktober 1725 machte im
Diepholzer Amtsgefängnis ein gewisser Johann L aus
Jacobi Drebber, der wegen Ehebruchs zu einer vierwöchigen
Gefängnisstrafe verurteilt war, seinem Leben durch erhängen
ein Ende. Das Amt verlangt, dass der Selbstmörder auf dem
Diepholzer Friedhof beerdigt würde. Bürgermeister und Rat
widersetzten sich nebst der ganzen Bürgerschaft diesem Ansinnen
und erklärten, der Tote gehöre auf den Drebberschen
Kirchhof, wo die Familie ein Erbbegräbnis besitze. Als das
Amt jedoch auf seiner Forderung beharrt, auch den Toten
den Verwandten nicht ausliefern wollte, besetzte am 10. Oktober
frühmorgens der Bürgermeister Christoffer Müller* mit 20 Mann
die Straße vor dem Eschtor und gab seinen Leuten
den Befehl, die Leiche auf keinen Fall durchzulassen, ließ auch
zu gleicher Zeit den Schlagbaum mit einer großen Wagen-
kette versperren. Das Amt bot nun die in Diepholz im Quartier
liegende Kompanie Soldaten unter der Führung des Haupt-
manns Coulon auf, um die Beerdigung gegebenenfalls mit
Waffengewalt durchzusetzen. Bürgermeister und Rat dagegen
hielten Tag und Nacht beim Eschtor [Bremer Eck] strenge Wacht,
um die Beisetzung zu verhindern.
Am 12 Oktober morgens zwischen 5 und 6 Uhr wurde
die Leiche durch die Verwandten aus Jacobi Drebber unter Be-
gleitung zweier Amtsbedienten vom Amt aus in den Ort hin-
eingefahren. Während der Zug kurze Zeit auf der Langen
Straße anhielt, ging der Amtsdiener Gerd Klusmann auf Be-
fehl des Amtes zum Bürgermeister, um diesem den Schlüssel
für den Friedhof abzufordern., musste aber unverrichteter
Sache zurückzukehren. Der Leichenzug, um den sich nunmehr die
Soldaten in drei gesonderten Zügen gruppierten, bewegte sich
unter Vorantritt des Diepholzer Amtsmanns zunächst noch
langsam weiter dem Eschtore zu und machte dann einige
Schritte vor der aus 60 bis 70 Personen bestehenden Bürger-
wache halt.
Jetzt kamen aus allen Straßen Diepholzer Bürger mit allerhand
Waffen versehen wie Mistgabeln, Forken, Spaten,
Knüppeln usw., der Wache in Ihrer bedrängten Lage zu Hilfe.
Als die Diepholzer denwiederholten Aufforderungen des Amt-
manns, den Widerstand aufzugeben, nicht nachkamen, rückte
auf einen Wink des Amtmanns der Hauptmann Coulon mit
allen drei Zügen gegen die Bürger vor. Diese flohen er-
schreckt auseinander. Der Bürger Hermann Runge erhielt
dicht bei dem Tumultplatz an Dr. Warendorfd Planke einen
Bajonettstoß durch die Brust, so dass er sofort tot zu Boden
sank. Der Bürgermeister wurde durch einen Bajonettstich
schwer verwundet und Bürger Schimmelpfennig erhielt
mit dem Gewehrkolben einen gefährlichen Schlag über den
Kopf. Als so der Widerstand der Diepholzer Bürger gewaltsam
gebrochen war, wurde von den Soldaten die Kette am
Schlagbaum gesprengt, der Weg durch das Eschtor frei gemacht
und der Wagen mit der Leiche nach dem Friedhof geführt.
Bürgermeister und Rat strengten auf Grund dieses Vorfalls
einen Prozess gegen das Amt Diepholz an, der den
Diepholzern 2246 Taler, 31 Mariengroschen und 4 Pfennig
kosten verursacht, aber niemals entschieden wurde.
Alles in allem : ein Bild aus einer rauhen Zeit.
[Diepholzer Kreisblatt vom 2.5.1908]
* Müller der Jüngere, Christoffer
Geburt: Jan 1675 ; Diepholz,
Eheschließung 1: 27 Okt 1706
Eheschließung 2: 30 Apr 1716
Tod: 14 Mrz 1746 ;
Bürgerrevolt 1725 in Diepholz
Zeitgenössische Darstellung eines unbekannten Zeichners, zur Verfügung gestellt vom Stadtarchiv Diepholz
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