Diepholz 1922 ueber den Schlossturm
Der Diepholzer Schlossturm
Den Turm haben vor langen, langen Jahren zwei Brüder
erbauen lassen, die auf Spradauer Hofe zu Cornau wohnten.
Es gefiel ihnen dort nicht länger und sie beschlossen, an-
derswo ein festes Haus zu bauen. Sie ließen eine Taube fliegen
und jagten zu Pferde hinterher. Wo die Taube sich nieder-
setzten würde, da sollte die neue Burg stehen. Die Taube flog
in ein großes Holz und setzte sich auf einen Baum an der Stelle
wo jetzt der Turm steht.
Nun wurden alle Bauern in der ganzen Herrschaft zum
Hofdienst bestellt. Den ganzen Sommer hatten sie zu fahren.
Soviel Sand und Steine mussten heran. Als der Turm höher
wurde, sind die schweren Steine auf einem schräg ansteigenden
Damme von Pferden heraufgeschleppt worden. Die meisten
Steine haben die Bauern von Aschen gefahren. Die Pferde wurden
dabei so gequält, dass in demselben Jahre kein lebendiges
Fohlen zu Welt kam. Als die Aschener dann den Herren
diese Jammer klagten, haben sie von ihnen all die Wiesen
auf der Graftlage geschenkt bekommen. die sie dort heute noch
haben.
Der Turm ist in alten Zeiten doppelt so hoch gewesen als
heutzutage. Als die Schweden einmal hier im Lande hausten,
hat fremdes Kriegsvolk das Oberstück heruntergeschossen. Unten
aber ist das Mauerwerk so dick, dass die Kanonen ihm nichts
tun konnten.
[aus Aschen 1922]
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