Postkutsche

Die Geschichte der Hannoverschen Post fällt mit der Braunschweigischen zusammen. Schon zur. Zeit Heinrichs des Löwen waren in Hannover landesherrliche Botenanstalten vorhanden. Unter Heinrichs Enkel, Otto dem Kinde (1227-1252), gingen die Kaufmannsboten von Hamburg aus durch das Land. Auch Hannover und andere Städte traten dem Hansabunde bei. Alte Urkunden aus den Zeiten von 1519 bis 1576 sprechen ausdrücklich von geregelten Botenposten, die Briefe zu Fuß und zu Roß bestellten und sich auch der Wagen bedienten, sobald ihnen Pakete und Waren anvertraut wurden. Auch Reisende wurden befördert.

Zu den ältesten das niedersächsische Gebiet befahrenden Posten gehören die seit 1649 verkehrende brandenburgische, die von Halberstadt kommend Wolfenbüttel, Braunschweig und Hannover berührte; die von Nordhausen, Elbingerode kommende, seit 1650 fahrende Nürnberger Botenpost, die Wolfenbüttel, Braunschweig, Gifhorn, Uelzen und Lüneburg anfuhr und die taxischen Reitposten, die von Kassel aus in Göttingen. Seesen, Braunschweig, Gifhorn, Uelzen und Lüneburg Station machten, wo Pferde oder Postillone gewechselt wurden.

Die Braunschweigischen und Hannoverschen Lande haben sich der Einführung der Reichsposten immer erwehrt und etwa seit Mitte des 17. Jahnhunderts eigene Posten gehabt. Vom Mai 1751 an fuhr ein ordentlicher Postwagen zur Beförderung von Personen, Gepäck und Briefen jeden Sonntag von Hannover nach Uelzen, dienstags nach Bremen und donnerstags nach Göttingen. Die Taxe betrug für eine Person mit gewöhnlichem Gepäck für jede Meile 6 Ggr. Für Gepäck über 16 Pfund schwer wurde für jedes weitere Pfund 4 Pfennig berechnet. Für einen gewöhnlichen Brief von Hannover nach Uelzen wurde 1 Ggr. 4 Pf, von Uelzen nach Lüneburg 8 Pf erhoben. Teuer war der Tarif für die Personenbeförderung mit der Extrapost. Nach dem Posttarif vom April 1821 kam z. B. eine Fahrt von Hannover nach Celle bei einer Entfernung von fünfeinviertel Meilen, die auf sechs Meilen abgerundet wurden, 7 Taler. Der Tarif beanspruchte für den Postwagen je Meile 8 Ggr. (Gutegroschen, von denen 24 auf einen Taler gingen), mithin für 6 Meilen 2 Taler. Dazu kamen 4 Taler für 2 Pferde, außerdem hatte der Fahrgast noch 12 Ggr. Trinkgeld, das an den Postillon zu entrichten war. und weitere 12 Ggr. Wegegeld zu bezahlen.

Man brauchte damals für eine Reise von rund vierzig Kilometern ganze fünf Stunden — wenn es bei den schlechten Wegeverhältnissen keine Achsenbrüche oder Deichschäden gab. Wollte man einen Taler sparen, so mußte man einen Postwagen nehmen, der nicht in den Federn hing, sondern auf den Achsen stand und daher für den Reisenden sehr unbequem war. Eine reine Freude war also zu jenen Zeiten das Reisen nicht, überall herrschten primitive Verhältnisse; sehr erheiternd liest sich daher ein Stoßgebet, das bei Antritt von Reisen in Niedersachsen allgemein üblich war: „Himmlischer Vater, da ich diese Reise nicht aus Leichtfertigkeit oder Fürwitz, sondern aus dringender Not und Erforderung auf mich genommen habe, bitte ich Dich, bewahre mich auf den Straßen für Räuber, böser Gesellschaft. Vergiftung und dergleichen Gefährden; item für ungeschlachteten Wettern. für Verirrung und gar dunklen Nächten ..." In einem anderen Gebete hieß es noch: „Bewahre mich vor Verzauberung und unhöflichen Postmeistern!"

Aber schon damals war man bemüht, den, wie wir heute sagen würden. „Kundendienst" zu verbessern, die Strecken zu erweitern, die Fahrzeiten zu verkürzen und das Reisen mit der Postkutsche angenehmer zu gestalten. Um 1820 gab es im Hannoverschen, im Lüneburgischen, im Braunschweigischen, im Calenbergischen und im Oldenburgischen Lande fast keinen größeren Ort, der nicht von einer Postkutschenlinie mit Anschluß an die benachbarten Königreiche und Herzogtümer berührt wurde.
Nach einer vor 145 Jahren im Verlage der Hetwingschen Hofbuchhandlung in Hannover herausgegebenen mehrfarbigen „Post-Charte von 1821" in der zur Eigenberechnung der Fahrtkosten und die Entfernung möglich war.

Die Entfernungen zwischen den einzelnen Stationen war in Meilen angegeben, hatte Diepholz sieben verschiedene Postkutschen Verbindungen. Und zwar je eine nach Lemförde - Diepenau - Minden, Barenburg, Uchte, Sulingen - Nienburg. Barnstorf, Bassum - Bremen, Wildeshausen - Coburg, Vechta - Cloppenburg und Quackbrück - Lingen.

Als in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die ersten Eisenbahnen gebaut wurden, da waren es vor allem die Postkutscher, die von der neuen Einrichtung wissen wollten. Es gab damals Pfeifenköpfe, auf denen im Bild ein Postillon sehen war, der mit seiner Peitsche dampfende Lokomotive bedroht, dem Bilde stand der Vers: „Wer hat nur den Dampf erdacht? Uns Fuhrleute um das Brot gebracht? Das hat der Böse getan — der Teufel hol' die Eisenbahn“

Die gute alte Zeit der Postkutsche,die wie wir sahen, gar nicht so gut war, gehört der Vergangenheit an, auch die grämigen Worte auf den Pfeifenköpfen konnten die fortschreitende Entwicklung des Verkehrswesens nicht aufhalten.