Torfstecher
„Früh am Morgen ging es los.“
Erinnerungen von Anna Zbikowski
Anna Zbikowski (1909-2003), geborene Roggenkamp, verfasste für die Broschüre zum Moor-Lehrpfad in Diepholz folgenden Bericht.
“Die Arbeit des Schwarztorf-Stechens begann mit der ersten Woche im Mai. Wer keine eigenen Moorflächen hatte, musste sogenanntes „Staatsmoor“ pachten, um im Winter nicht frieren zu müssen. Holz stand kaum zur Verfügung, Kohle war teuer. Früh am Morgen ging es los. Zuerst wurde das Heidekraut auf einer Fläche von 2 x 3 Meter abgebunkt. Dann kam eine dicke Schicht Weißtorf. Der war nicht sehr wertvoll, weil er wenig Hitze abgab, aber zum Anheizen war er nicht zu ersetzen. Und dann, wenn der Weißtorf abgegraben war, kam erst der sehr wertvolle Schwarztorf. Die gestochenen Schwarztorfsoden mussten einige Monate trocknen, in der Regel bis zum Herbst. In dieser Zeit setzte man den Torf immer wieder um, damit er trocknen konnte.“
„Torf wurde sicherlich schon seit vielen Jahrhunderten gestochen, 1648 erhielt die Diepholzer Pfarrei (...) mindestens 50 Fuder Torf. Schulkinder brachten Torfstücke in die Schule mit oder zahlten Torfgeld. Auch im 19. Jahrhundert wurde noch mit Torf geheizt, da Holz zu selten und damit zu teuer war und Kohle erst nach der Fertigstellung der Bahnstrecke vom Ruhrgebiet über Osnabrück (1873) geliefert werden konnte.“
(Wilfried Gerke, Heimatblätter 5/2000)
Anna Zbikowski schreibt weiter:
„Als wir mitten in der Arbeit waren, blieb das „Haumesser“, mit dem jedes einzelne Stück Torf abgeteilt und dann nach oben geworfen wurde, im Moor stecken. Aber nicht im weichen Torf, sondern in hartem Holz. Mit viel Mühe und Anstrengung zog es mein Vater heraus. Wir waren auf einen Bohlenweg gestoßen. Im Herbst, als der trockene Torf nach Hause gefahren wurde, hatten wir auch das Holz vom Bohlenweg auf dem Wagen und wir haben es in unserem eisernen Plattenofen verbrannt. Es hatte eine schöne rötliche Farbe und hat gut geheizt“.
[Quelle: Diepholz erzählt von Dirk Gerrit Gieselmann und Agnes Sarah Kühn, erschienen im Schröderschen Buchverlag, ISBN 3-89728-063-9 ]
Torfstecher im Diepholzer Moor um 1930 (aus Sammlung Peters)
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