Aschen

Aschen

Aschen liegt einige Kilometer nördlich von Diepholz.
Aschen wird das erste mal zu Beginn des 13. Jahrhunderts erwähnt und hat zu diesem Zeitpunkt 4 Höfe. Vermutlich ist diese leicht erhöhte Dorflage aber schon deutlich früher besiedelt worden.
Aschen hat ein sehr umfangreiches, sehr gut gepflegt und ausgestattetes Heimatmuseum, das auch regelmäßig Austragungsort verschiedenster Veranstaltungen ist.
Ein Besuch lohnt sich immer.

Der Weg nach Aschen

1925 wahrscheinlich 2 mal Bredemeyer und sicher einmal Hermann Müller (auf dem Weg zur Gaststätte Schreiber ?)


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„Wer das nicht gesehen hat, der kann sich das nicht vorstellen.“
Erinnerungen von Irmgardt und Heinz Junger

Heinz Junger (*1921) kam im Alter von neun Jahren von Wilhelmshaven nach Aschen und war dort von 1954 bis 1974 Leiter des Gemeindebüros. Nach der Eingemeindung Aschens war er noch über ein Jahrzehnt für die Stadtverwaltung tätig. Heinz Junger ist Mitbegründer des Aschener Heimatvereins und noch immer aktives Mitglied. Er lebt nach wie vor mit seiner Frau Irmgardt (*1925), geb. Brandt, in Aschen. Das Gespräch mit den beiden fand im März 2005 statt. Hier unmittelare Auszüge aus ihren Berichten von Lehrer Bruns, Fohrings Mühle und dem Wunsch, Rennfahrer zu werden.

Heinz Junger:
Oh ja, Aschen hat sich sehr verändert. Aber es gab bis vor kurzem auf dem Anhorn bei Apwisch noch ein Gebäude, ein Heuerlingshaus, die lebten da noch wie vor hundert Jahren. Aber genau! Vorne die Hühner, rechts das Pferd, links Kühe, ein paar Hühner saßen auch oben. Hinten war die Küche, alles offen von vorne bis hinten. Oben hingen dann die Würste, Schinken und Speck zum Räuchern. Und die Stube - die hatten bloß eine Stube, und das Schlafzimmer, das war ein Huck, da konnte bloß ein Bett drin stehen. Da haben die gewohnt, da haben die sich wohlgefühlt. Aber dann wurden sie krank, und der Winter kam, und sie hatten kein Brennmaterial. Ende der 90er Jahre sind sie da weggegangen.

Irmgardt Junger:
Meine Mutter, sie ist 1901 geboren, erzählte damals: Wenn sie von der Arbeit kam, dann musste sie abends noch Schularbeiten machen. Sie sagte: „Dann hab ich da gestanden, Buch in der Hand, unter so einer ollen Petroleumlampe, in einem funzeligen Licht, und dann hab ich gelesen. Und dann war ich ja auch müde und musste ab ins Bett. Die Schlaueste bin ich so nicht geworden.“

Ich hatte die Zähne vorne kaputt, da hatte ich schon ein paar Mal eine Plombe reingekriegt, und das hielt nicht. Und dann sagte die Zahnärztin: „Da machen wir eine Goldplombe rein.“ Das war in den Sommerferien. Danach kam ich wieder zur Schule, und dann sagte der Lehrer Bruns zu mir: „Irmgardt, hast du eine Goldplombe im Mund?“ „Ja.“ Man traute sich ja nicht, viel zu sagen. Dann sagte er: „Jetzt stehst du auf und machst den Mund auf und zeigst allen, was du im Mund hast.“ Und das war mir ja so peinlich! Ich habe das zu Hause erzählt. Dann ist mein Vater hingewesen und hat ihn zur Rede gestellt. Der sagte, er hätte sich da nichts weiter bei gedacht. Aber er wollte damit nur sagen: Die anderen Kinder sollten die Zähne besser putzen. Das behält man dann so, nicht?

Er war sehr streng. Wir wurden immer bestraft. Wir mussten die Handflächen hinhalten, und er haute dann mit dem Stock darein. Das tat ungemein weh. Und dann hatten wir ja hinten diese ollen Tintenfässer - da hat man dann die Hand schnell rangehalten, sonst wäre das alles dick geworden. Und dann sahen die auch zu Hause, was los war.

Mein Mann kam ja mit sieben Jahren aus Wilhelmshaven nach Aschen. Und wenn Jungs aus der Stadt kommen, die wissen ja gar nicht, wie das auf dem Land so ist. Hier war ja alles eingezäunt. Und dann haben die wohl gespielt, und er wollte weglaufen, sah aber keinen Zaun, keinen Draht und fiel da rein und hat sich die ganze Lippe aufgerissen. Ja, so sind Stadtleute!

Als ich Kind war, da war die Hengemühle an der Hunte noch in Betrieb. Wir sind da noch mit Pferd und Wagen rübergefahren. Die alten Bretter da auf dem Steg, die knarrten immer so, da habe ich Angst gehabt. Das weiß ich noch, und ich hab gedacht: „Hoffentlich fällst du jetzt nicht in den Fluss!“ Ich konnte ja nicht schwimmen. Trotzdem waren wir im kleinen Kolk auch manchmal baden. Da ging ich nur soweit, wie man den Grund noch sehen konnte. Da konnt’ ich wohl rein. Aber in den großen Kolk: „Nee!“, dachte ich. „Da kommt man nicht mehr raus.“ Da ist ja auch damals ein Junge ertrunken. Der konnte nicht sprechen und nicht hören und wusste nicht, dass es da so tief war.

Auch Fohrings Mühle hier in Aschen war noch in Betrieb. Da musste ich vorm Kriege immer hin, um Korn hinzubringen - zum Mahlen für die Schweine. Das machte Onkel Herrmann. Aber ich konnte das da nicht hinkriegen, mit der Schubkarre war es auch zu schwer. Von unseren Nachbarn Bockelmann habe ich mir dann einen Wagen geholt und den Hund davor gespannt, Hector. So sind wir dann zur Mühle hin!

Heinz Junger:
Die Mühle hat damals ja auch den Strom für Aschen geliefert. Der Motor war von 1924. Dann machte das einmal „Tuck-Tuck“, dann wurde das Licht ausgeschaltet, und abends war’s dunkel. Im Kriege war dieser Motor aber schon außer Betrieb, Anfang der 40er Jahre.

Als der Friedhof hier eröffnet wurde, 1939, wurden Goldstücke gefunden. Ganz, ganz früher soll da auch schon mal ein Friedhof gewesen sein. Da wurde auch eine Brosche gefunden. Wir hatten auch eine Münze hier bei uns, hauchdünn. Da waren sie sogar aus Hannover hier und haben sie da auf dem Fensterbrett fotografiert. Ich sagte nur: „Die geht nicht nach Hannover, die behalten wir hier!“

Irmgardt Junger:
Ja, da muss früher was gewesen sein, wo der Friedhof jetzt ist, wo das Denkmal steht. Meine Oma erzählte mal, sie hätte die Goldmünzen mit der Schürze aufgesammelt. Aber wo die herkamen, das weiß man nicht. Vielleicht hat man die im Kriege da verbuddelt.

An der Kreuzung hier in Aschen, wenn man aus Diepholz kommt, da steht so ein kleines weißes Haus. Das war früher das Feuerwehrhaus. Da stand auf der einen Seite die Spritze drin, auf der anderen Seite war ein schmaler Raum, oben ein kleines Fenster. Und ich weiß noch: Wenn wir als kleine Kinder ungezogen waren, wurde gesagt: „Ihr werdet da eingesperrt!“

Heinz Junger:
Der alte, uralte Milbe, der spannte die Pferde vor die Spritze. Man durfte nie Alarm geben, bevor die Pferde vor der Spritze waren, sonst liefen die weg. Die kamen erst vor die Spritze, und dann gab’s Alarm. Dann gingen die aber los! Oh, oh, oh.

Irmgardt Junger:
Viele Feiern gab das hier ja nicht. Aber wenn, dann war da immer einer, der konnte mit der Handorgel spielen, oder es gab ein Grammophon. In der Besatzungszeit mussten dann alle um zwölf von der Straße sein. Trotzdem wurde manchmal länger gefeiert, dann durften wir also nicht auf die Straße. Und meine Freundin kam von Osterheide. Wir sind dann quer übers Land hinten, und es war so hell, und die Tommies hätten uns sehen können. Wenn wir was hörten, haben wir uns platt auf den Boden geworfen. Und wenn Ruhe war, dann sind wir wieder weitergerannt!

Wenn wir mal nach Diepholz wollten, dann zu Fuß. Und man war ja auch mal neugierig, und es gab den „Braunen Bomber“ in der Langen Straße. Da wurde soviel von erzählt, da wollten wir auch mal reingucken! Dann sind wir da auch hingegangen und haben da reingeguckt. Da gab es oben so einen Saal, da wurde getanzt. Aber da sind wir gar nicht hingegangen - haben wir uns gar nicht getraut!

Heinz Junger:
Ich wollte ja Rennfahrer werden! Ich habe dann bei Köpke in der Bahnhofstraße Automechaniker gelernt. Die Einfahrt zur Werkstatt war da, wo Dr. Detlefsen heute seine Praxis hat. Schlachter Samenfeld war ja auf der Ecke. Dem hab’ ich oft Benzin zukommen lassen. Das wurde eben über den Zaun geschmissen. Und vorne wurde kassiert. Einmal bin ich zu August Haselhorst vom Café Haselhorst gegangen. Ich wollte seinen Wagen leihen, als ich Schützenkönig war. Da rief er schon: „Was sie wollen, das weiß ich wohl! Aber ich hab den Wagen in den Graben gefahren!“ - bei Küst an der Ossenbecker Straße.

Dann kam es eines Tages, durch einen dummen Zufall: Der damalige Leiter des Gemeindebüros wurde nach Drebber versetzt. Dann rief der Bürgermeister Apwisch an, „die rote Gefahr“ wurde er genannt - er hatte nämlich ein rotes Auto. Ich sollte zu ihm kommen. Ich bin dann in Holzschuhen hin - und musste ganz schnell wieder nach Hause, musste mich umziehen. Ich sollte das Gemeindebüro übernehmen! Ich bin dann über zwanzig Jahre mit allen gut ausgekommen, ob das das Katasteramt war oder das Finanzamt. Mit allen! Ich musste überall hin von der Gemeinde aus. Und dann nahm ich meinen Junior mit. Aber irgendwann wollte er nicht mehr mit. „Der Vater, der benimmt sich daneben! Da hat er sich mit hingesetzt, Schublade auf, Messer raus, Gabel raus, mitgegessen! Und dann sagt er: „Das schmeckt gut!“ Der ist so frech, ich fahr da nicht mehr mit.“ Ja, das war früher so.

Der Polizist Thielke kam mal ins Büro rein und sagte: „Du, Heinz, ich muss jetzt einen anzeigen. Der brennt Schnaps!“ Ich sagte: „Mach keinen Ärger!“ „Doch, den muss ich anzeigen!“ Und ich sagte: „Ja, warum denn? Den kannst Du doch nicht saufen den Schnaps! Den kannst Du doch nicht saufen!“

Früher war Aschen auch eigenständiger. Wir hatten vier Lebensmittelgeschäfte: Milbe, zweimal Schwierking und Kohlhaus - allein innerhalb dieses Ortes. Und später noch Siebrecht. Und wir hatten, glaube ich, fünf oder sieben Gastwirtschaften, Paradiek, Schwierking, Friemann, Schreiber, Kohlhaus, Koop zum Beispiel. Zwei Schuster, Tischlerei, Zimmerei, zwei Schmieden. Eine Poststelle hatten wir auch. Nur einen Arzt hatten wir nie. Da musste immer Dr. Frank aus Diepholz her, mit Pferd und Wagen. Der wohnte da hinten bei der Münte. Da ist dann jemand mit dem Fahrrad hingefahren und hat ihn benachrichtigt. Heinrich Schwierking hatte die erste Taxe in Aschen, Anfang der 30er Jahre. Der hatte 1924 den Führerschein gemacht.

Irmgardt Junger:
Wenn ich so zurückdenke: Als Kind musste ich immer zu Schwierkings Adolf, die hatten ein Kolonialwarengeschäft. Mit einem großen Korb, halbvoll mit Eiern. Ich musste ganz vorsichtig gehen, dass ich ja nichts kaputtmachte. Manchmal hatte ich da hundert Stück drin! Und dann musste ich einkaufen. Den Rest kriegte ich als Geld wieder zurück. Jetzt müssen wir wegen jeder Kleinigkeit nach Diepholz. Das ist aber eine Umstellung! Wenn irgendwas fehlt - aufschreiben. Das ist nicht schön.

Fohrings Mühle: Die Fohringsche Windmühle unweit des Aschener Friedhofs wurde 1877/78 als Galerieholländer erbaut. 1884 wurde eine Sägemühle angegliedert, 1886 eine Lokomobile integriert, um vom Wind unabhängig zu sein. 1947 wurde die Mühle gänzlich auf Strom umgestellt, fiel aber dennoch dem Mühlensterben der 50er Jahre zum Opfer. Heute ist sie eine Ruine, die Flügel hat man 1957 ins Sulinger Land verkauft.

Goldstücke: Erstmals wurden in Aschen im Jahre 1892 insgesamt 70 Münzen ausgegraben. Als Ende 1922 ein Platz für das Aschener Kriegerdenkmal geebnet wurde, entdeckte man zudem eine Tonurne aus dem Hochmittelalter. Sie enthielt ungefähr 200 Silbermünzen.



...aus "Diepholz erzählt" von Dirk Gerrit Gieselmann und Agnes Sarah Kühn, erschienen im Schröderschen Buchverlag, ISBN 3-89728-063-9, erscheinen in Abschnitten die in dem bekannten Buch veröffentlichten Geschichten, mit freundlicher Genehmigung der beiden Herausgeber.