Mühlenstrasse 11
Frühere Hausnummern : 169, zu 160, zu D 115, zu Mü 10
Balkeninschrift bis 1964:
Ingangh und den Ausgangh mein, las Dier o Gott befolen sein Adolf Müller Anno 1744 den 17 Juny Heidewigh Müllers nee Köhnnen
1740-1771 Johann Adolf Müller, Neubau
1771-1796 Albrecht Friedrich Sommer
1818 Hucken Stall
1860 Tischlermeister Christian Feuß
bis 1890 Tischlermeister Friedrich Konrad Schäfer
1910 Kanzleigehilfe Wilhelm Thomas und seine Frau, geb Schäfer
Schuhmachermeister Anton Hemmje
Heinrich Hemmje
Johann Adolph Müller
Er stammte aus der 1. Ehe seines Vaters. Nach der Heirat mit Hedwig Köhne (01.12.1734), einer Tochter des Kaufmanns, Brauers und Brenners Jakob Köhne, der in den Jahren 1705 bis 1709 und 1712 bis 1714 Bürgermeister in Diepholz war und dem der Gasthof Lange Straße 44 (Ecke Mühlenstraße) gehörte, wohnte er zunächst in dem Möhlmannschen Haus Mühlenstraße 6. Seine Frau (geb. am 05.12.1701) war nämlich in 1. Ehe mit dem Maurermeister Friedrich Wilhelm Möhlmann verheiratet gewesen. Sie ist die jüngere Schwester von Anna Maria Köhne, der Frau seines Onkels Friedrich Heinrich Müller. Damit war seine Tante auch seine Schwägerin. Ab dem Jahr 1740 wohnte Johann Adolph Müller mit seiner Frau in dem gegenüberliegenden Haus Mühlenstraße 11 (Ecke Kolkstraße). Diese Hausstelle war ursprünglich ein Teil der angrenzenden Hausstelle Mühlenstraße 9. Das Haus Mühlenstraße 11 hat er dann bis zu seinem Tod im Jahr 1771 bewohnt. Seine Frau Hedwig ist vor ihm im Jahr 1764 gestorben. "Kinder der beiden konnten nicht festgestellt werden." Diese Feststellung ist zu korrigieren, da Johann Adolph in seinem Testament, welches im Diepholzer Stadtarchiv erhalten ist, ausdrücklich seine beiden Töchter Anna Heidewig und Anna Margarethe erwähnt.
Klaus Müller hat in seiner Übersicht über die Diepholzer und Willenberger Familien denn auch festgestellt, daß Anna Hedwig am 07.05.1735 getauft wurde. Da Johann Adolph Müller und Hedwig Möhlmann erst am 01.12.1734 geheiratet haben, wäre ihre Tochter somit entweder ein 6-Monatskind, was faktisch unmöglich ist, oder der Heiratsgrund. Taufpatin war die Frau des Bürgermeisters Christopher Müller, also die Tante von Johann Adolph Müller. Am 12.12.1737 wird Johann Heinrich Müller getauft, Taufpate ist Heinrich Köhne. Am 27.05.1740 wird ein Kind von Johann Adolph Müller begraben. Da Anna Hedwig im Testament erwähnt wird, kann es sich nur um den Sohn Johann Heinrich handeln. Am 25.05.1741 wird die Tochter Anna Margret getauft. Taufpatin ist Margret Elisabeth Klatte. Ein weiteres Kind wird am 15.04.1744 als Totgeburt begraben.
Als Ratsherr wurde er am 21.01.1767 dem Amt neben dem Kaufmann Hermann Albers als Bürgermeister vorgeschlagen. Zu jener Zeit hatte der Bürgermeister Friedrich Wilhelm Diestelhorst sein Amt, das er seit 1760 inne hatte, niedergelegt. Albers wurde als Nachfolger ernannt, da er in Abwesenheit von Bürgermeister Diestelhorst dessen Amtsgeschäfte bereits geführt hatte. Auch im Jahr 1748 wird Johann Adolph Müller als Ratsherr aufgeführt, so daß er theoretisch auch in der gesamten Zwischenzeit Ratsherr gewesen sein müßte, da seit dem Jahr 1710 die Ratsherrn in Diepholz nicht mehr für ein Jahr, sondern quasi auf Lebenszeit berufen wurden. gestorben ist Johann Adolph Müller wahrscheinlich im Mai 1771, da sein Tesatment aus diesem Monat stammt. Er wäre dann 62 Jahre alt geworden.
1964
Der Abbruch des Hauses Mühlenstraße 11 (Hemmje) gibt Anlaß zu einem kurzen Rückblick auf die Geschichte dieses Gebäudes. Der Heimatforscher Reichsbahnvizepräsident a.D. Oskar Schröder recherchierte dafür mit der gewohnten Sorgfalt. Hier ist das Ergebnis: Aus den ältesten Hausnummern geht hervor, daß sein Vorgänger und sein Grundstück ursprünglich mit denen der Häuser Mühlenstraße 9 (abgebrochen im September 1961) und Kolkstraße 5 (ebenfalls abgerissen) zusammenhingen.
Diese Tatsache stützt die Ansicht der Heimatforscher, daß der Hauptverkehr in der Innenstadt - zwischen den beiden ehemaligen Stadttoren im Norden und Westen - durch die Kolkstraße gegangen ist, vielleicht sogar solange, bis er nach dem Bau der "Neuen holländischen Poststraße" im Jahre 1789 über die Lange Straße und den Postdamm mit Verzweigung über die Mühlenstraße abgelenkt worden ist.
Das Haus Mühlenstraße 11 gehörte ursprünglich den Besitzern der Stelle Mühlenstraße 9. Im Jahre 1740 gingen beide Stellen an den Brauer Johann Adolf Müller (aus dem Haus Steinstraße 3) über. 1744 fragte das Amt Diepholz nach dem Verbleib des von ihm erbauten Hauses. Der Rat der Stadt antwortete, daß es gegenüber dem Wohnhause (Mühlenstraße 9) an der anderen Straßenseite liege, jetzt Albrecht Friedrich Sommer (Lange Straße 44) gehöre und zum Futterhaus gebraucht werde. 1796 gingen beide Häuser an Johann Rudolf Hucke über, der aus Diepenau stammte und 1797 Diepholzer Bürger wurde. 1799 läßt er die Feuerversicherung von 350 und 300 auf 600 und 400 Reichstaler erhöhen, was auf eine Verbesserung der Gebäude schließen läßt. 1818 wird das Haus Mühlenstraße 11 "Hucken Stall" genannt. Auf Huckes Erben folgt 1855 Cord Friedrich Klatte, der die Stelle Mühlenstraße 11 1860 an den Besitzer von Kolkstraße 5, Tischlermeister Christian Feuß, als selbständige Wohnstelle verkauft. Die weiteren Besitzer: Tischlermeister Konrad Schäfer, Kanzlist Wilhelm Thomas, Schumachermeister Anton Hemmje, sein Sohn Heinrich und die Stadt Diepholz. Das Haus Kolkstraße 5 war bis 1723 Nebengebäude von Mühlenstraße 9, wurde dann selbständige Hausstelle und ging 1860 in der Stelle Mühlenstraße 11 auf
Mühlenstrasse 11
Bildmitte vor 1964